Ayecelim - Geburt einer neuen Welt
 



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unbestimmte Zeit vor oder nach der Stadt der Handwerker

bitte seht mir Fehler nach, der Text ist erst einmal reiner Ideenwahn.

Ich stehe auf einer Lichtung in einem Laubwald. Die Sonne glitzert golden auf den filigranen, hellgrünen Blättern. Leichter, frischer Wind fährt durch meine Haare, es riecht nach Frühling. Zuerst freue ich mich über das Bild… doch dann kommt mir etwas seltsam vor, unheimlich. Ich achte sonst selten bewusst auf Vögel, Tiergeräusche. Vielleicht höre ich sie nicht einmal. Auch jetzt nicht. Doch mir war mit einem Schlag bewusst, dass hier wirklich keine Geräusche waren. Ich fühlte ganz deutlich: Außer den – ohne Zweifel wunderschönen Pflanzen – lebte hier nichts. Trotzdem wirkte der Wald dadurch nicht bedrohlich, eher sauber, perfekt… und unschuldig. Ich fühlte es bevor ich etwas hörte – aber es bereitete mich nicht genug vor, dass ich nicht erschrak. Etwas VERDICHTETE sich. Und kurz darauf streifte hinter mir schwerer Stoff durch das Gras. Ich fuhr herum. Eine große, schlanke Gestalt im schwarzen Mantel stand urplötzlich hinter mir. Ich war SICHER, dass sie bis vor einem Augenblick nicht da war. Die Kapuze war so tief ins Gesicht gezogen, dass die Person darunter unmöglich etwas sehen konnte – trotzdem fühlte ich mich taxierte, begutachtete. Ich versuchte es – doch ich konnte den Eindruck nicht ignorieren, dass dieser jemand mehr über mich wusste als ich selbst. Vielleicht lag es an dem großen knorrigen Stab aus Schwarzholz, dessen Totenschädel auf der Spitze mich ebenso anzustarren schien. Ein Whispern, das durch die Bäume tanzte fragte mich:

„Wer bist du?“

Mit einem Mal wogte Entsetzen mit mir auf und ich hörte selbst das Zittern in meiner Stimme als ich die einzige Antwort gab, zu der ich in der Lage war: „Ich weiß es nicht.“ Die schlanke, schwarz behandschuhte Hand meines Gegenüber ballte sich langsam zusammen.

„Und woher kommst du?“

Nun hörte ich meine Worte kaum selbst noch. Doch ich wusste ich antwortete: „Ich weiß es nicht.“
Die folgende Zeit verging wie im dunklen Nebel. Die dunkle Gestalt winkte mir mitzukommen und drehte sich um, um mir voraus durch den Wald zu gehen. Ich sah keinen Weg, keine Bäume mehr. Nur den schwarzen Mantel vor mir und den knorrigen Stab, dessen Gehänge von Knochen, Fangzähen, Krallen und Amuletten bei jedem Schritt klirrten. Betäubt wankte ich hinterher, während Gedanken durch meinen Kopf jagten. Ich musste doch woher gekommen sein. Ich muss Mutter, muss Vater gehabt haben. Ich trug Kleidung – woher kam sie? Doch ich tastete nach meinen Erinnerung wie nach einem fehlenden Köperteil. Ja, so musste es wohl sein, schoss mir der unsinnige Gedanke durch den Kopf. Man weiss, wie es sich anfühlen MÜSSTE. Aber da IST nichts. Ich hatte es vergessen.

Die dunkle Gestalt ging durch den Wald. Wissend, dass das Mädchen folgte. Aufmerksam zwischen die Baumstämme horchend forschte es unter der Kapuze. Doch der Zauber hielt noch. Unter dem Mantel brummte es leise und hinter dem schweren Stoff der Kapuze hätte man den mürrisch, besorgten Gesichtsausdruck gesehen. Trotzdem… es hätte besser laufen können.

Der Abstand hatte sich vergrößert, ich bemerkte es erst nach einer Weile. Die dunkle Gestalt schien stehengeblieben zu sein. Und als ich bei ihr ankam prasselte ein Lagerfeuer und Laub vom letzten Herbst war als Lager aufgeschichtet. Die schlanken Finger des Bemantelten wiesen mich an auf dem Lager Platz zu nehmen – wieder stand ich unter dem unheimlichen gefühlten Blick, der durch die Kapuze eigentlich nicht sein konnte. Er traf mich über das Feuer hinweg. Dort niedergelassen fixierte mich das Wesen unentwegt. Mein Mund war trocken, schmeckte fahl und nach Furcht. Mein Herz zog zusammen und mein Magen auch. Ich hatte Hunger doch keine Ahnung wie ich überleben sollte. Irgendetwas war hier furchtbar FALSCH. Mir wurde klar – noch nie habe ich mich so sehr vor dem Tod gefürchtet.

Dieses Mädchen… es hat schon angefangen, und es geht so schnell. Dabei habe ich sie so früh entdeckt – war früher bei ihr als bei irgendeinem sonst. Jetzt zittert sie schon hier vor Furcht. Ich verstehe nicht warum.

Das Mädchen krümmte sich zusammen, vor Angst und Einsamkeit – und um den unsichtbaren Blick dieser dunklen Gestalt  nicht mehr sehen zu müssen. Ein Hilfeschrei formte sich in ihr, doch kam ihr nicht über die Lippen. Der Bemantelte auf der anderen Seite des Feuers richtete sich aufmerksam lauschend auf. Leises Schluchzen drang vom Blätterlager herüber. Doch die Aufmerksamkeit des Dunklen galt etwas anderem. Stille, warten… Hoffen…. Ja! Da war es wieder. Wieder ging diese Welle aus Sehnsucht von dem Mädchen aus. Es konnte schief gehen… aber ein Versuch war es wert. Der schwere Stoff raschelte als die Gestalt aufstand und zum Lager ging. Atemlos hielt das Mädchen inne, das unheimliche Wesen setzte sich zu ihr. Den Kopf vergraben spürte sie wie es den Stab weglegte und sich näherte. Sacht legte sich ein Arm über sie, eine Hand zwischen die Schulterblätter. Das Geschöpf brummte leise und seine Wärme strömte langsam durch ihre Kleidung. Ihr graute, ihr war unheimlich – sie war erstarrt – doch sie zuckte auch nicht zurück. Und irgendwann zeigten ihre tiefen Atemzüge dem Wesen, dass sie in den Schlaf gesunken war. Das Dunkel der Kapuze verbarg das Lächeln. Vielleicht gab es doch noch Hoffnung.

Langsam verdämmerte der Traum. Ich wollte ihn noch festhalten, weil ich wusste, er war wichtig. Doch er entglitt mir in die Morgensonne, die durch meine geschlossenen Lider schien. Vorsichtig und ohne mich zu rühren versuchte ich zu spüren ob die Hand des Unbekannten immer noch auf mir lag. Sie tat es. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen nicht einzuschlafen. Wer weiß, was das Ding alles vorhat. Die Müdigkeit war stärker, und unter seiner Hand wurde es so einschläfernd warm – wer weiß, was er noch alles seltsames angestellt hat um mich einzuschläfern. Ich versuchte mich zu entspannen, nicht zu bewegen und abzuwarten bis er aufstand.

Das fremde Wesen nickte sacht ohne dass sie es bemerkte. Vorsichtig löste es sich und stand auf, bedeckte das Feuer mit Erde und schaffte auch sonst behände Ordnung im Lager. Heimlich beobachtete das Mädchen die Gestalt. Seltsam, obwohl man mit dieser tief gezogenen Kapuze unmöglich etwas sehen konnte waren alle Bewegungen zielgerichtet und routiniert. Sie nutzte die Zeit um sich unbemerkt aufzurappeln und sich umzusehen. Offensichtlich war sie viel klarer als am Vortag. Misstrauisch grübelnd sah sie den Bewegungen des schwarzen Mantels zu. Zum ersten Mal nahm sie es wirklich wahr. Das Ding hatte einen breiten Buckel, wirkte wie gebeugt. Paradoxerweise waren aber die Bewegungen flink und agil. Sie fühlte sich auf unheimliche Weise an ein die geschmeidigen Bewegungen eines Raubtieres erinnert. Und sie hatte ständig den Eindruck, dass dieses Vieh LAUERTE. Unangenehm berührt zog sie ihre Jacke fester um sich. Und das Ding hatte die ganze Nacht seinen Arm um mich. Ein kleiner Teil von ihr – den sie trotzig ignorierte – widersprach und erinnerte sich dankbar an die Wärme in der Nacht. Der Magen knurrte, der schmerzhafte Hunger riss sie aus ihren Gedanken. Während sie sich krümmte bemerkte sie mit klammen Gefühl, wie das Wesen in seinem Tun inne hielt und – ohne sich ihr zuzuwenden oder anzusehen – lauschte.

Oh Essen… mit etwas Essen könnte ich das hier vielleicht noch halbwegs ertragen.

Sie sah sich um, suchte im Gebüsch – doch etwas essbares konnte sie nicht erkennen.

Es hilft alles nichts – ich muss ihm folgen. Er ist die einzige Chance hier zu überleben. Hoffen wir mal, dass ich nicht SEINE Chance zu überleben bin.

Das Mädchen richtete sich matt und etwas schwankend auf. Unter der schwarzen Kapuze runzelte sich die Stirn. So schwach… warum…?

Als sie wieder loszogen und sich das Mädchen noch mal zu ihrer Lagerstelle umdrehte war sie gegen ihren Willen beeindruckt. Nichts mehr wies darauf hin, dass dieser Platz als Lager genutzt worden war. Nicht einmal das überhaupt jemand dort gewesen war. Und irgendwie war das auch unheimlich. Der Weg ging weiter. Das Mädchen nahm nun wieder alles klarer wahr. Bangen wechselte sich mit zaghafter Hoffnung. Ihre Beine waren genauso schwer wie am Vortag – nur aus anderem Grund. Ihr zitterten die Knie vor Hunger. Die Gestalt vor ihr schien ihr gerade weniger lauernd sondern mehr in Gedanken versunken. Nebel zog auf und wogte weiß und dick über den Weg. Langsam, sanft immer wieder in Wellen. Wie Milchschaum auf Kaffee, süß, heiß, Zucker…  Kuchen dazu… der Kaffee darunter schwarz, schwarz… raschelnde Schritte, jemand hielt sie, sie versuchte sich zu wehren, doch es fiel so schwer, es war kalt. Das schwarze Mantelwesen versuchte an ihren Bauch zu kommen, sie kämpfte…

„Nicht verschwinden, bleib da!“

Plötzlich wurde alles wieder klar und das Mädchen fand sich in den Armen und zwischen den Falten von schwarzem schweren Stoff. Ihr Bauch war warm und kribbelte angenehm. Sie wusste die schlanke schwarze Hand war dort. Sie wagte kaum zu atmen. In einem plötzlichen Panikanfall machte sie sich los und stand schwer atmend vor diesem unheimlichen Wesen, das sich gerade wieder aufrappelte. Sie starrte es an. Fragen schossen ihr durch den Kopf. „Was meinst du mit „nicht verschwinden, bleib da“ wollte sie fragen… wie erstarrt blieb sie stehen, kreidebleich. Sie fand die Worte nicht. Sie konnte sie denken doch es wollte ihr nicht mehr einfallen wie man sie sagt. Entsetzt wollte sie das dunkle böse Ding anschreien was es ihr angetan hat – aber auch das kam ihr nicht über die Lippen.

„Ich habe nichts getan…“

Seltsamerweise klang dieses Whispern durch den Wald ehrlich – mehr noch sie schien darin sogar Besorgnis wahrzunehmen.

Was ist passiert? Irgendwas hat sie furchtbar erschrocken. Sie wollte etwas tun, etwas was für sie ganz selbstverständlich ist und konnte es nicht mehr. Und ihre Furcht wurde wieder größer. Als würde Ihr etwas fehlen. Ich verstehe nicht – es fehlt doch nie etwas. Alles ist das was ist.

 

26.10.07 14:32
 


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